Mitteilung Kt. Luzern - Planungsbericht Psychiatrie des Kantons Luzern: Ambulante Angebote und Vernetzung sollen gestärkt werden

Die Luzerner Regierung hat den Planungsbericht über die psychiatrische Versorgung im Kanton Luzern verabschiedet. Der Bericht zeigt auf: Der Kanton Luzern verfügt über eine qualitativ solide Grundversorgung. Das psychiatrische Angebot ist aber sehr stark ausgelastet und es bestehen lange Wartzeiten im ambulanten Bereich. Mit neuen Angeboten und organisatorischen Optimierungsmassnahmen möchte die Regierung das ambulante Psychiatrieangebot sowie die Vernetzung der verschiedenen Akteure stärken.

Der Kanton Luzern verfügt über eine qualitativ solide psychiatrische Grundversorgung. Neben der Luzerner Psychiatrie lups setzt sich ein breites Netzwerk von Institutionen, Fachpersonen und Angehörigen für Menschen mit einer psychischen Erkrankung ein. Der Planungsbericht über die psychiatrische Versorgung im Kanton Luzern zeigt auf, dass die Luzerner Bevölkerung im Vergleich weniger psychiatrische Leistungen in Anspruch nimmt als der Durchschnitt der Schweizer Bevölkerung. Dennoch ist die Auslastung der Angebote sehr hoch und die Belegung der lups liegt im Durchschnitt der letzten Jahre bei 98 Prozent. Auch im ambulanten Bereich sind die Wartezeiten bei allen Anbietern lang. Der Bedarf an psychiatrischen Leistungen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen – ein Trend, der in Zukunft anhalten dürfte.

Stärkung der ambulanten Angebote
Die Luzerner Regierung schlägt im Planungsbericht verschiedene Massnahmen vor, um die Bedürfnisse zukünftig decken zu können. Dem Prinzip «ambulant vor stationär» folgend, soll die psychiatrische Versorgung noch stärker auf den ambulanten Bereich ausgerichtet werden. «Aus medizinischer und volkswirtschaftlicher Sicht ist es sinnvoll, die psychiatrische Versorgung vermehrt und noch stärker ambulant auszurichten. Es wird immer Fälle geben, bei denen die stationäre Behandlung die bessere Wahl ist. Wo immer aber eine ambulante Therapie möglich ist, soll diese auch ambulant durchgeführt werden», sagt Regierungsrat Guido Graf, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements. Der Kanton Luzern verfüge bereits jetzt über ein erfolgreiches ambulantes Versorgungsmodell. Dieses soll in Zukunft weiter ausgebaut und gestärkt werden, so Graf.

Psychiatrieangebot in der Hausarztpraxis
Die Luzerner Regierung strebt zudem eine verbesserte integrierte Versorgung an. «Für die Patientinnen und Patienten wäre es einfacher, wenn sie direkt in der Hausarztpraxis eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung erhalten könnten, ohne dass sie von Praxis zu Praxis geschickt werden müssen», sagt Regierungsrat Guido Graf. Hausärztinnen und Hausärzte könnten noch enger mit der Psychiatrie zusammenarbeiten und zum Beispiel in ihrer Praxis ein psychiatrisches Angebot schaffen. Im Planungsbericht über die psychiatrische Versorgung im Kanton Luzern schlägt die Luzerner Regierung zudem vor, Massnahmen gegen den Fachkräftemangel zu prüfen und Präventionsangebote im Bereich psychische Gesundheit zu stärken.

Abbau der langen Wartezeiten
Auf diesen Grundsätzen basierend werden im Planungsbericht über die psychiatrische Versorgung im Kanton Luzern konkrete Schwerpunktmassnahmen abgeleitet:

  • Ambulante Leistungen der institutionellen Psychiatrie (v.a. Ambulatorien) sollen in Zukunft angemessen vergütet werden. Ein neues Abgeltungsmodell soll mittelfristig dafür sorgen, dass die Kosten der ambulanten Psychiatrie besser gedeckt sind. So können die ambulanten Angebote gestärkt werden.
  • Mit einem schrittweisen Ausbau von 32 zusätzlichen Fachstellen sowie organisatorischen Optimierungen sollen die Wartezeiten in den lups-Ambulatorien abgebaut werden können. Eine engere Zusammenarbeit mit Hausärztinnen und Hausärzten kann dazu beitragen, die Nachfrage nach ambulanten Leistungen besser zu verteilen.
  • Im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie soll das Sprechstundenangebot etappenweise ausgebaut werden; dies unter anderem mit 17 zusätzlichen Fachstellen. Auch hier sollen die Hausärztinnen und Hausärzten sowie Kinderärztinnen und Kinderärzten enger mit einbezogen werden.
  • Mit dem Aufbau eines Kriseninterventionszentrums sollen Personen in einer akuten Krisensituation zeitnah professionelle Hilfe erhalten. Darin integriert ist auch eine Abklärungs-, Notfall- und Triagestelle.

Im Bereich Suchtberatung sollen die Zuständigkeiten bei legalem und illegalem Substanzkonsum analysiert werden. Für geistig beeinträchtigte Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung regt die Regierung an, die Schaffung einer stationären Einrichtung zu evaluieren. Zudem möchte die Luzerner Regierung als weitere Massnahme und in Zusammenarbeit mit anderen Kantonen die Schaffung eines spezifischen Angebots für stark traumatisierte Menschen prüfen.

Die finanziellen Auswirkungen dieser Massnahmen beziffert der Regierungsrat auf zwischen 2 und 3,65 Millionen Franken jährlich in den kommenden vier Jahren. Pro Kalenderjahr sind jeweils 2 Millionen Franken bereits im Aufgaben- und Finanzplan AFP 2022-2025 eingestellt.

Die Erarbeitung des Planungsberichts über die psychiatrische Versorgung im Kanton Luzern wurde vom Kantonsrat in Auftrag gegeben. Dieser hatte im Jahr 2018 einstimmig ein entsprechendes Postulat überwiesen. Der Bericht dient als Grundlage für eine patientenorientierte, sichere und qualitativ gute psychiatrische Gesundheitsversorgung der Bevölkerung im Kanton Luzern. Der letzte eigenständige Planungsbericht über die Psychiatrie im Kanton Luzern datiert aus dem Jahr 1995. Danach war die psychiatrische Versorgung jeweils Teil der Gesamtplanung Gesundheitsversorgung.

Medienmitteilung (PDF)

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